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Brauchtum und Geschichte

Artikel vom 12.11.2018

Kurz vor Ende ihres Jubiläumsjahres war es den Leheneckbestien Heuweiler in Zusammenarbeit mit dem katholischen Bildungswerk gelungen, einen echten Hochkaräter als Referenten zu gewinnen. „Fasnet-Papst“ Professor Werner Mezger hielt einen Vortrag über „Gesichter und Geschichte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht“. Der Volkskundler, Buchautor und SWR-Moderator hatte faszinierende, kurzweilige und spannende Geschichten rund um die Geschichte der hiesigen Fastnacht auf Lager. Passend zum Thema hatte Ferdinand Elighofer  die Kirchberghalle mit Bildern und verschiedenen Exponaten geschmückt. 

Die schwäbisch-alemannische Fasnet vom Hochrhein bis zur schwäbischen Alb enthält Traditionsketten, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Die Feier hat ihren Ursprung im Spätmittelalter. 40-46 Tage vor Ostern war die „Nacht vor dem Fasten“, also die Fastnacht angesetzt. So wurden früher noch einmal Reserven getankt und alle tierischen Vorräte gegessen, da in der Fastenzeit nur vegan gelebt werden durfte. Dies war auch der Grund dafür, dass Ostern das Fest der Eier ist. Hatten sich doch in fast fünf Wochen die Eier der Hühner, die nicht verspeist werden durften, angesammelt. 

Wie stand die Kirche zu dem Fastnachtsfest? Bis ins 15. Jahrhundert gab es keine Kritik seitens der Kirche. Als „civitas diaboli“, also als Teufelszeug, wurde es erst von den Franziskanern bezeichnet. Teufel findet man daher schon sehr lange als Bestandteil der Fastnacht.

Die in der schwäbisch-alemannischen Fasnet gebräuchlichen Larven tauchen bereits in Bildern aus dem 15. Jahrhundert in Florenz auf. So freundlich manche auch nach Außen wirken, so verstecken sie dennoch die Intrige.

Eine Bilderreise durch die letzten sieben Jahrhunderte beantwortete die Frage, wie der Narr in die Fastnacht kam. Als Gegenspieler des Teufels war er im 16. Jahrhundert so angekommen, wir wir ihn heute noch kennen. In seinem frei gehaltenen Vortrag ging Mezger auch auf die sprachlichen Wurzeln der Begriffe rund um die närrische Zeit ein. Das Wort „Narr“ hat seinen Ursprung im Wort „Narbe“, war stets das Unvollkommene, das Verwachsene. 

Fastnacht, so Prof. Mezger, ist Theologie und Philosophie. Das Bild „Der Kampf zwischen Fasching und Fasten“  von Pieter Bruegel vereine dies in ganz besonderer Weise. Detailliert zeige es einerseits das wichtigste Gebäude der Fastnacht, das Wirtshaus und andererseits das wichtigste Gebäude der Fastenzeit, die Kirche. 

Durch die Reformation, in der die Fastenzeit abgeschafft wurde, erstarb auch das Fest davor, die Fastnacht. 1539 wurde es gar verboten. Sie lebte allerdings wieder auf. Im 17. Jahrhundert waren schon deutlich die italienischen Einflüsse erkennbar, wie etwa durch den Harlekin. Teile dieser Verkleidung, nämlich der Spitzhut und die Halskrause, finden sich noch heute in vielen schwäbisch-alemannischen Kostümen. 

Durch die Aufklärung im 18. Jahrhundert geriet die Fastnacht wieder unter Druck und wurde 1809 in Württemberg und Baden verboten. Dies wäre das juristische Ende der Fastnacht hier gewesen, wären da nicht die Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm gewesen, die sich für den Erhalt deutscher Traditionen eingesetzt hatten. Eine neue Belebung der deutschen Fastnacht begann mit der Vollendung des Kölner Doms im Jahre 1823. Bereits 1824 begann sich der rheinische Karneval zu etablieren. Ohne Köln, so ist sich Prof. Mezger sicher, hätten wir hier heute keine Fasnet. Nach den beiden Weltkriegen begann hierzulande ein großer Aufstieg der Fastnacht. 

Kaum verwunderlich also, dass sogar die nationale UNESCO-Liste von einem bewahrenswerten Erhalt „kultureller Ausdrucksform“ spricht. Kein anderer Brauch bringt Jahr für Jahr so viele Menschen auf die Beine wie die Fastnacht. Und so ermutigte Prof. Mezger auch junge Zünfte, Bräuche zu erhalten und weiterzuentwickeln. Denn alle, egal ob sie nun rheinischen Karneval oder schwäbisch-alemannische Fasnet feiern, haben ein gemeinsames Ziel: Sie versuchen, mehr Menschlichkeit in die Welt zu bringen.

Die letzte Veranstaltung in diesem Jubiläumsjahr der Leheneckbestien ist der Zunftabend, der am Samstag, 17.11.2018 in der Kirchberghalle stattfindet. Einlass ist ab 20:11 Uhr.